Prävention, Stigmatisierung und die Aufgaben Sozialer Arbeit
HIV ist heute gut behandelbar: Wer unter Therapie eine nicht nachweisbare Viruslast hat, überträgt das Virus sexuell nicht (U=U). Gleichzeitig erreichen Syphilis und Gonorrhö in Deutschland neue Höchststände, und über die Hälfte der Menschen mit HIV berichtet von Diskriminierung im Gesundheitswesen. Der medizinische Fortschritt ist der gesellschaftlichen Wahrnehmung weit vorausgeeilt — und genau in dieser Lücke arbeiten Fachkräfte der Sozialen Arbeit.
Der Vortrag nimmt HIV und sexuell übertragbare Infektionen nicht als medizinisches Spezialwissen in den Blick, sondern als Frage von Zugängen, Haltungen und Strukturen: wie aus einer Krankheit ein Stigma wurde, warum dieses Stigma bis heute Tests, Offenheit und die Inanspruchnahme von Hilfe verhindert, und wie sich Barrieren überlagern — bei trans Personen, bei Menschen ohne Papiere oder Krankenversicherung, bei Wohnungslosen und Inhaftierten.
Der zweite Teil ist praxisbezogen: aktuelle Präventionslogiken, die Versorgungslandschaft von der Aidshilfe über das Gesundheitsamt bis zum Checkpoint, Peer-Arbeit als Wirkprinzip und neuere Herausforderungen wie ChemSex. An Fallbeispielen werden die Fragen besprochen, die im Alltag tatsächlich auftauchen: Wie spreche ich das Thema an, ohne zu belehren? Wie reagiere ich auf Vorurteile im Team? Wohin vermittle ich weiter? Angesprochen sind auch und gerade Fachkräfte, die sich bisher nicht zuständig fühlten; Vorwissen ist nicht erforderlich.